Wanderung auf den Wetterberg Pilatus

Pilatus, Fräkmüntegg

Der Aufstieg zum Pilatus

Da steht der Pilatus nun seit bald sechs Jahren praktisch vor der Haustür. Oben war ich noch nie. Für diesen Sommer habe ich mir aber vorgenommen, diesen Umstand zu ändern. Da eine gewöhnliche Wanderung zum Gipfel für mich noch nicht herausfordernd genug war, entschloss ich mich zu einem etwas anderen Spaziergang.

Der Plan war, am Mittag von der Talstation in Kriens loszugehen, auf den Abend am Gipfel anzukommen, den Sonnenuntergang zu bestaunen und anschliessend irgendwo zu übernachten um gleich noch den Sonnenaufgang mitzunehmen. Die Strecke soll mich von der Talstation, auf 480 Metern über dem Meer, über die erste Station am Krienseregg (1026 m ü. M) zur zweiten Seilbahnstation am Fräkmüntegg (1416 m ü. M) führen. Von da aus wird der Heitertannliweg zur Kapelle am Klimsenhorn (1907 m ü. M) genommen und die letzte Steigung zum Esel (2118 m ü. M) den Abschluss des Aufstiegs markieren.

Soweit der Plan. Ohne weitere Vorbereitungen schnappte ich meine Wanderschuhe, füllte den Rucksack mit etwas Proviant und warmer Kleidung für die Nacht und machte mich am 17. Juni 2017 kurz vor dem Mittag auf den Weg nach Kriens.

Erste Etappe bis zum Krienseregg

Zugegeben, die heisseste Stunde des Tages für den Start zu wählen, war nicht die beste Entscheidung. Allerdings findet man bereits nach den ersten Erhebungen immer wieder bewaldete Abschnitte, die Schatten spenden. Die Aussicht ist auf dieser Höhe noch nichts Besonderes. Dafür bietet die Natur bereits schöne Bilder, die eine kurze Pause fordern.

Es sind erstaunlich viele Wanderer unterwegs. Die meisten befinden sich ebenfalls auf dem Weg nach oben. Hier ist noch alles vertreten: von Familien mit Kindern, über Sportler, die vornehmlich hinab joggen bis hin zu kleinen Touristengruppen, die die Welt nur durch ihre Kamera bestaunen. Der Weg ist stellenweise relativ steil, aber immer gut ausgebaut und die Orientierung fällt leicht.

Pilatus, Krienseregg
Vom Krienseregg ist es noch ein weiter Weg zum wolkenverhangenen Gipfel des Pilatus.

Nach etwas mehr als 90 Minuten erblicke ich dann auch schon die Station der Pilatus-Bahnen. Ein willkommener Grund für eine ausgedehntere Pause mit einer kleinen Stärkung im Restaurant. Von hier aus erhält man einen ersten Eindruck, wohin die Reise geht. Hinter dem Krienseregg geht es zunächst ein Stück abwärts was einen schönen Panoramablick auf den Pilatus ermöglicht.

Zweite Etappe bis zum Fräkmüntegg

Nach 20 Minuten Rast geht es weiter. Auch auf diesem Weg führen weite Teile durch den Wald. Allerdings verändert sich die Umgebung zunehmend. Anstelle von Familien mit Kinderwagen sind nun vor allem andere Wanderer mit passendem Schuhwerk und geschultertem Rucksack anzutreffen. Die Wege werden langsam schmaler und gepflasterter Untergrund seltener. Auch die Temperaturen sinken langsam, obwohl es immer noch angenehm warm bleibt.

Dafür wird die Aussicht immer besser. Etwa auf der Hälfte des Weges kann man einen ersten Ausblick auf die Stadt Luzern erhaschen. Was hier bereits eindrücklich aussieht, wird sich mit den folgenden Höhenmetern noch weiter verstärken. Im letzten Drittel der Etappe wird der Wald verlassen und der Blick richtet sich auf das deutlich näher gekommene Felsmassiv. Hier wird mir das erste Mal bewusst, dass es sich beim Pilatus um einen Berg handelt, und nicht nur einen etwas höheren Hügel.

Angespornt von der Aussicht erreiche ich nach gut einer Stunde das zweite Ziel. Der Weg fühlte sich nicht so anstrengend an wie die erste Etappe. Dennoch wird wieder eine Pause zur Erfrischung und Stärkung eingelegt. Bei dieser Gelegenheit wird auch gleich die Rodelbahn und der Seilpark inspiziert. Leider habe ich keine Zeit für diese beiden Attraktionen eingeplant, aber definitiv ein Grund für einen weiteren Besuch.

Dritte Etappe bis zur Kapelle am Klimsenhorn

Die Aussicht lädt zum Verweilen ein. Neben dem Blick auf den Vierwaldstättersee ragt der Pilatus beinahe bedrohlich hinauf. Die nächsten Stunden werden sicher nicht mehr eine so gemütliche Wandererfahrung bescheren wie bisher. Dennoch mache ich mich auf den Weg.

Bereits nach einigen hundert Metern werde ich gewarnt. «Alpinweg mit grosser Steinschlaggefahr. Begehen auf eigenes Risiko» heisst es da in schwarzer Schrift auf einem roten Schild. Das kann heiter werden. Wieder geht es zunächst einige Schritte abwärts durch ein kleines Wäldchen. Der Weg ähnelt nun eher einem trockenen Bachlauf als wirklich einer Wanderstrecke. Dank den Rot-Weissen Markierungen fällt die Orientierung jedoch relativ leicht. Auf das Wäldchen folgt eine kleine Grasfläche, die nach links deutlich ansteigt.

Pilatus, Bergbach, Heitertannliweg
Der Weg kreuzt sich zeitweise mit einem kleinen Bergbach.

Von jetzt an wird die Wanderung zunehmend zur Kletterpartie. Je höher man steigt, desto steiniger wird der Weg. Bald sind es nur noch grobe Felsen, an denen ich mich hochziehe. Stellenweise sind Ketten im Fels verankert, die das Vorankommen erleichtern sollen. Hier wird mir auch die Steinschlaggefahr bewusst. Mehr als einmal habe ich eine kleine Gerölllawine los getreten, wenn sich vom Winter lose Steine unter dem Schuh gelöst haben und ins Tal kullerten.

Ich bin nun grösstenteils alleine unterwegs. Zwischendurch kommen einige Touristen entgegen, die offensichtlich mit der Luftseilbahn hinauf gefahren sind. Der Abstieg scheint ebenfalls anspruchsvoll zu sein, wobei ich mir momentan noch keine Gedanken dazu mache. Nach zwei schweisstreibenden Stunden und mehreren kurzen Verschnaufpausen erreiche ich die kleine Kapelle am Klimsenhorn. Die Aussicht rechtfertigt jedoch jeden Meter, den man zurückgelegt hat.

Vor der Kapelle sind einige grobe Holzbänke aufgestellt. Dankend setze ich mich auf eines davon und lasse den Eindruck wirken. Direkt unter mir liegt der Vierwaldstättersee. Links davon sehe ich die Ausläufer von Luzern und einigen anderen Dörfern. Hinter mir starten immer wieder Paraglider für einen letzten Flug in der vorabendlichen Sonne.

Die Muskeln schmerzen immer noch, aber ich raffe mich dann doch für den letzten Weg auf. Schliesslich ist das Ziel in greifbarer Nähe. Gerade als ich den Platz mit den Bänken verlasse kommt ein schwer beladetes Pärchen dazu. Sie richten sich auf der Ebene für die Nacht ein und haben ein kleines Zelt dabei. Das wäre vielleicht auf eine gute Idee für mich gewesen.

Letzte Etappe zum Gipfel des Pilatus, dem Esel

Zum Schluss wird der Weg nochmals richtig anstrengend. Es gleicht einer Schotterpiste, die teilweise nicht einmal klare Wege aufweist. Auch hier herrscht wieder die Gefahr, unbeabsichtigt eine Gerölllawine auszulösen. Dass die Füsse mittlerweile schwer und der Tritt nicht mehr so sicher sind, macht die Sache nicht gerade zur Wohltat. Dafür ist die Strecke recht schnell bewältigt und ich erreiche die Absperrung zum befestigten Pfad.

Hier hat das Hotel dafür gesorgt, dass die Treppenstufen zumindest flach und sicher sind. Nur noch einige Schritte hinab und in der Felswand öffnet sich die Passage auf die andere Seite. Dort erwartet mich ein grosszügiger Platz mit Tischen und Bänken, wo vor wenigen Stunden wahrscheinlich noch reger Gastbetrieb herrschte. Es ist mittlerweile 18.00 Uhr. Das Restaurant hat bereits vor einer Stunde geschlossen. Damit fällt der geplante Kaffee mit Erdbeertorte leider ins Wasser. Schade.

Pilatus, Aussicht, Esel
Die Aussicht auf den Vierwaldstättersee rechtfertigt alle Mühen.

So mache ich mich also auf, um auch noch den letzten Punkt meiner Wanderung zu erreichen: Den Esel. Dieser ist nochmals etwa 20 Meter höher und liegt etwas vorgelagert hinter dem Hotel. Hier lässt sich die Panoramaaussicht in vollen Zügen geniessen, wenngleich der Wind kräftig und kühl weht.

Gegen Norden und Westen reicht der Blick bis nach Zürich und zum Jura. Im Osten und Süden ragen in der Ferne die verschiedenen Gipfel der Alpen in die Höhe. Eindrückliche Aussichten, die ich in mich hineinsauge, während ich einen Grossteil meines Proviants esse und mich dabei wie ein König fühle.

Sonnenuntergang und Planänderung

Zugegeben wird es mit der Zeit doch recht kühl, wenn man bei ca. 7° ständig im Wind steht. Hier bin ich froh, dass ich neben zwei zusätzlichen Kleiderschichten auch noch eine winddichte Jacke eingepackt habe. Leider schützt diese aber die Beine nicht und so erkunde ich noch das umliegende Gelände um ein wenig in Bewegung zu bleiben.

Um 21.00 Uhr gehe ich zurück zum letzten Aufstieg. Hier habe ich eine Wunderbare Sicht auf das Land und die Untergehende Sonne. Unten bei der Kapelle sehe ich das grüne Zelt des Pärchens und einen weiteren Wanderer, der sich dort ebenfalls ein Lager errichtet. Wie ich da auf den Sonnenuntergang warte, kommt ein junger Steinbock daher und grast friedlich etwa 10 Meter unter mir am Hügel. Das Licht wird langsam dunkler der Himmel färbt sich rot. Ich kann beinahe zusehen, wie der helle Punkt hinter dem Jura verschwindet. Der Weg spannender als das Ziel, aber ich bin trotzdem froh, so lange gewartet zu haben.

Pilatus, Sonnenuntergang, Aussicht
Die Sonne verschwindet langsam hinter dem Jura.

Nun merke ich langsam, wie ich müde werde und suche mir einen geeigneten Schlafplatz, der zumindest trocken und Windgeschützt ist. Das ist gar keine leichte Aufgabe. Da ich zudem keine Isolationsmatte dabeihabe und generell kaum Polsterung vorhanden ist, wird es sowieso nicht wirklich bequem. Nachdem ich 30 Minuten erfolglos versuchte, einen halbwegs geschützten und bequemen Schlafplatz zu finden, beschliesse ich eine radikale Planänderung. Ich habe noch ein wenig Restlicht sowie eine Taschenlampe und konnte mich zumindest für einige Stunden erholen. Ich trete den Rückweg an. Diesmal aber eine andere Route.

Ausversehen über Gsäss und Alp Gschwänd nach Hergiswil

Eigentlich war der Plan, über Gsäss zum Fräkmüntegg zurück zu kehren und von da aus denselben Weg zu nehmen. Ich konnte mir vom Gipfel aus die Route ein wenig anschauen und schätzte sie als einfacher ein. Also gehe ich zügig zum Klimsenhorn hinunter. Anstatt aber nach links abzubiegen, geht es rechts eine weite Schotterpiste hinab. Hier herrscht wieder erhöhte Stolpergefahr und das schwache Licht hilft nicht dabei. Zwei Mal rutsche ich aus und falle hin. Wie durch ein Wunder gibt es aber nur einen kleinen Kratzer und es kann weitergehen. Irgendwo biege ich nach rechts ab, wo es nach links gehen sollte. So gelange ich in ein bewaldetes Stück und sehe kaum noch die Hand vor Augen.

Nach der Uhr habe ich noch gut 90 Minuten Zeit um zurück in die Stadt zu kommen. Andernfalls muss ich entweder ein Taxi nehmen, oder im freien übernachten. Es wird also die Taschenlampe angemacht und in halsbrecherischer Geschwindigkeit durch den Wald gehetzt. Die Strecke zählt immer noch als Bergwanderweg und ist dementsprechend nicht sonderlich gut ausgebaut oder übersichtlich. Dennoch renne ich fast durch die Dunkelheit und versuche die Orientierung zu behalten.

Irgendwann erreiche ich eine Zwischenstation, die mit Alp Gschwänd beschriftet ist. Hier wird mir klar, dass ich falsch abgebogen bin. Nach kurzer Orientierung an Wegschildern wird Hergiswil als neues Ziel deklariert. So renne ich also weiter durch die Dunkelheit. Stellenweise führt der Pfad durch Weiden, wo einzelne Kühe im Gras liegen. Langsam werden die Wege wieder breiter und befestigter, sind aber stellenweise noch sehr steil. Ich bin also hoch konzentriert und spüre, wie mich das Adrenalin antreibt. Dementsprechend fühle ich keine Müdigkeit mehr und auch die Füsse schmerzen nicht.

Pilatus, Alpen
Es gibt noch viele Berge neben dem Pilatus, die eine Wanderung wert sind.

Bald schon öffnet sich der Wald und es sind wieder befestigte Strassen vorhanden. Das ermöglicht mir auch, mich wieder an der Umgebung zu orientieren. Der Vierwaldstättersee ist deutlich nähergekommen und unten sehe ich die Lichter der Stadt. Eine Strassenbeleuchtung fehlt leider noch, was die Taschenlampe weiterhin zu meinem besten Freund macht.

Um 23:45 Uhr erreiche ich den Bahnhof in Hergiswil. Gerade rechtzeitig um in den vorletzten Zug nach Luzern einzusteigen. Um diese Zeit kann ich mir sogar einen Sitzplatz ergattern. Wie ich da sitze und langsam zur Ruhe komme, werde ich wieder müde. Ich realisiere, dass ich gerade etwa 1600 Höhenmeter in einer Stunde und 45 Minuten zurückgelegt habe. Dabei komme ich nicht umhin, vor mich hin zu grinsen und in mich hinein zu lachen. Ich wollte eine Herausforderung und erlebte ein Abenteuer. Ein voller Erfolg!

Fazit

Der Pilatus ist ein Berg, der sich zu besuchen lohnt. Ob man sich die Wanderung antun will, oder lieber mit den Bahnen hinauf fährt ist jedem selbst überlassen. Die Aussicht ist einfach grandios. Will man den Aufstieg aber zu Fuss bewältigen, sollte man zumindest für die letzte Etappe entsprechende Ausrüstung und ein wenig Erfahrung haben. Will man zudem oben im freien übernachten ist an ein Zelt, oder zumindest eine Isomatte zu denken.

Das erste, aber sicher nicht das letzte Mal, dass ich den Aufstieg wagte. Es gibt noch viele weitere Pfade, die zum Gipfel führen. Damit bleibt also noch einiges zu entdecken.

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